Tesla ist kein Autobauer und ich denke, das ist der Fehler, den viele machen.
Herzlich Willkommen beim Trillion Dollar Club. Mein Name ist Dominic und heute möchte ich euch aufzeigen, warum ich Tesla in erster Linie nicht als Autobauer sehe. Aber was ist Tesla dann? Sie bauen doch Autos, oder? Wenn du das wissen willst, dann bleibe jetzt dran.
Ich starte auch gleich mit dem ersten Punkt, der Tesla von traditionellen Autobauer unterscheidet: Software
Um uns anzuschauen inwiefern sich Tesla unterschiedet und was das Unternehmen so anders macht müssen wir uns erst mal die Tätigkeiten und Funktionsweise eines klassischen Autobauers anschauen. Ganz vereinfacht gesagt kaufen traditionelle Autobauer von verschiedenen Zulieferern Bauteile ein und bauen diese dann zusammen. Tesla ist im Vergleich dazu ein viel vertikal integrierteres Unternehmen. Da bedeutet, dass sie entlang der Wertschöpfungskette mehr Produkte und Dienstleistungen selbst herstellen und anbieten. Beispielweise baut Tesla, das teuerste Bauteil eines Elektroautos selbst: das Batteriepack.
Zudem hat Tesla einen eigenen CHIP entwickelt, der die gesamte Elektronik steuert und die Berechnungen für den Autopiloten und in Zukunft für das autonome Fahren übernimmt. Und das wahrscheinlich aller wichtigste: Tesla entwickelt die gesamte Fahrzeug Software selbst. Und das ist wirklich entscheidend und grenzt Tesla zu anderen Autobauern ab. In der Software wird schon heute und vor allem in Zukunft ein Großteil der Wertschöpfung von Tesla liegen. Über Over-the-air Updates stellt Tesla fortlaufend neue Funktionen zur Verfügung, verbessert die Beschleunigung, das Laden, oder die Reichweite. Das alles erziel Tesla heute schon durch Software-Updates. Über das große Zentrale Display in den Autos bietet Tesla auch Spiele und Entertainment Apps an.
Über einen eigenen Tesla App Store könnte dieses Angebot in Zukunft noch weiter ausgebaut werden. Ähnlich wie wir es schon von unseren Smartphones mit dem Apple oder Android Store kennen.
Denkbar sind auch die Freischaltung von Fahrzeugoptionen, die man sich nur für bestimmte Tage oder Wochen, „on-demand“ ganz nach Bedarf buchen und freischalten lassen kann. So kann man sich für einen gewissen Zeitraum beispielweise eine bessere Beschleunigung kaufen. Das attraktive daran ist, dass dies Tesla so gut wie nichts kostet. Die Freischaltung einer Funktion, die das Auto sowieso besitzt und nur Software-technisch eingeschränkt ist, hat für Tesla eine Marge nahe 100%.
Autobauer wie beispielweise VW lagern auch die Softwareentwicklung zu großen Teilen aus. Aktuell liegt der Anteil der selbst entwickelten Software bei VW bei unter 10% [1]. Dazu kommt, dass die Komplexität in traditionellen Fahrzeugen extrem hoch ist, da viele verschiedene Steuereinheiten von verschiedenen Zulieferern eingesetzt werden. Dadurch lassen sich im Nachhinein nur viel schwieriger Software Anpassungen und Updates entwickeln und durchführen [2]. Und genau das macht einen großen Unterschied. Tesla ist ein Computer auf Rädern und wurde von Beginn an so konzipiert. Tesla war das erste Unternehmen, das ein Fahrzeug auf den Markt brachte, das mit hoher vertikaler Integration um einen zentralen Computer herum entwickelt wurde, der alle Haupt- und Nebenfunktionen verwaltet und vereint. Das traditionelle Auto kommt aus einer ganz anderen Welt und Autobauer sind bis heute eben keine Softwareunternehmen. Somit haben die traditionellen Autobauer aber eine für die Zukunft wertvollste und wichtigste Kernkompetenz ausgelagert, die für den Erfolg entscheidend sein wird. Das haben Autobauer wie VW auch erkannt und wollen nun viel, viel Geld und Manpower in ein eigenes Betriebssystem für ihre Fahrzeuge stecken.
Das ist sicherlich der richtige Schritt, doch bis die Software-Kompetenz inhouse aufgebaut ist werden noch viele Jahre vergehen! Zudem besteht weiterhin die Herausforderung, dass traditionelle Autobauer ein Großteil der Bauteile von Zulieferern beziehen. Es bleibt also die Schwierigkeit, all diese Chips und Steuerelemente zusammenzuführen, um in Zukunft schneller und einfacher Verbesserungen und neue Funktionen über Software-Updates zu ermöglichen.
Neue Autos der traditionellen Art fangen an zu altern, sobald man damit vom Hof des Händlers fährt. Tesla aber hat eine aktualisierbare Computer-Plattform geschaffen und in Fahrzeug-Hardware untergebracht. Das bietet die Grundlage dafür, dass ein Tesla im Laufe der Zeit nicht altert und schlechter wird, sondern ganz im Gegenteil sich immer weiter verbessert. Das spiegelt sich auch in den Gebrauchtwagenpreisen wider. Während traditionelle Autos innerhalb von 3 Jahren rund 50% Wertverlust erleiden, verliert ein Tesla in derselben Zeit nur ca. 10% seines Wertes [3].
Die Elektrifizierung ist eben nur eine Umwälzung in der Automobilindustrie, aber die Digitalisierung des Fahrzeugs und damit einhergehende neue Geschäftsmodelle sowie neuen Formen der Mobilität sind womöglich die noch viel größeren Umbrüche, die Tesla maßgebend vorantreibt [4].
Das führt uns auch zu unserem zweiten Punkt: Tesla wird in Zukunft sein Geld sehr wahrscheinlich nicht hauptsächlich mit dem Bau und Verkauf von Autos verdienen, sondern vielmehr zu einem Anbieter von Mobilität werden. Tesla investiert extrem viel Zeit, Geld und Energie in die Entwicklung des autonomen Fahrens. Schafft es Tesla, dass seine Fahrzeuge in Zukunft völlig autonom fahren können, so ergeben sich viele neue Geschäftsmöglichkeiten für Tesla. Beispielsweise wird Tesla dann eine Robotaxi Flotte aufbauen und somit viel mehr zu einem Flottenmanager und Mobilitätsanbieter werden.
Personen müssen Autos dann nicht mehr selbst besitzen, sondern können diese zu sich rufen, in dem Moment indem sie das Auto eigentlich brauchen. Heute wird ein Auto den Großteil des Tages nicht genutzt. Die Standzeit beträgt meist mehr als 90%. Durch Robotaxis kann diese Ineffizienz gelöst werden, da sich in Zukunft mehrere Personen ein Auto teilen können, die auch an unterschiedlichen Orten wohnen. Man öffnet einfach die Tesla App und ruft sich eines der autonomen Robo-Teslas. Man kann sich das ähnlich wie in der Uber App vorstellen, nur das bei Tesla in Zukunft kein Fahrer mehr im Auto sitzt und das Auto vollständig autonom zu einem kommt. Der Tesla holt dich also ab, fährt dich zum Ziel und kann dann völlig selbständig, ohne irgendeinen Fahrer die nächste Person abholen. Dies erhöht nicht nur den Komfort (da man sich nicht mehr um Parkplatz, Wartung usw.) kümmern muss sondern es reduziert auch ganz stark die eigenen Kosten, die mit der Anschaffung, Versicherung, Steuer und Reparaturen eines eigenen Wagen anfallen würden. Auch im Vergleich zu traditionellen Taxis oder ein Uber Fahrt werden Robotaxis weit günstiger sein. Denn der Fahrer ist der Hauptkostenblock eines Taxis. Fällt dieser Weg kann man die Beförderung von A nach B mit einem Robotaxi ungefähr 10- mal günstiger anbieten als heute.
Neben den Aktivitäten rund um Software und Mobilität hat Tesla aber auch eine eigene Energie Sparte. Hierunter fallen Produkte wie die Powerwall, eine Batterie für den Heimbedarf mit der man Strom speichern kann. Zudem stellt Tesla für Industrie und Großabnehmer auch Megapacks her. Das sind größere Batteriespeicher mit denen große Mengen an Strom gespeichert und beispielweise ganze Stromnetze stabilisieren werden können. Besonders spannend finde ich außerdem das Solar-Dach. Tesla hat Dachziegel entwickelt, die bereits Solarmodule integriert haben. Wenn man sich also ein neues Dach zulegt, muss man nicht erst normale Dachziegel verlegen und dann anschließend Solarmodule darauf befestigen, sondern man deckt das Dach einfach mit Solarziegel und hat alles in einem. Das ist nicht nur optisch viel schöner, sondern auch preislich attraktiv. In Kombination mit den Speicherlösungen und Elektroautos bietet einem Tesla ein Gesamtkonzept für nachhaltige, grüne Energie und Mobilität, wie es kein anderes Unternehmen tut.
Nicht zuletzt gibt es noch viele weitere Geschäftsbereiche und Tätigkeiten, die Tesla von klassischen Autobauern unterscheidet. Tesla hat beispielweise schon sehr früh selbst begonnen eine eigenen Ladeinfrastruktur aufzubauen, sodass Elektroautos auch auf der Langstrecke attraktiv bleiben, Tesla baut Fabriken schneller und günstiger als jeder Autobauer zuvor, entwickelt eigene Maschinen und Materialien um Autos und Batterien noch günstiger, schneller und effizienter herzustellen und Tesla bietet sogar eine eigene Versicherung an. Elon Musk hat selbst mal gesagt, dass Tesla eigentlich ein Unternehmen ist, das aus vielen kleineren Startups besteht, die in den verschiedenen Bereichen in denen Tesla aktiv ist innovative Lösungen entwickeln und umsetzten. Welche Startups das sind, das erfahrt ihr in meinem nächsten Video.
Möchte man Tesla schlussendlich einer Branche zuordnen, würde ich Tesla wohl am ehesten als Technologiekonglomerat bezeichnet. Allerdings stellt sich generell die Frage, ob es Sinn macht, Tesla hier nur einer Branche zuzuordnen, da Tesla in so vielen verschiedenen Bereichen aktiv ist. Das macht es auch vielen traditionellen Aktienanalysten der Autobranche schwer Tesla richtig zu bewerten. Viele Analysten haben Tesla jahrelang unterschätzt und tuen das immer noch, weil sie versuchen Tesla an klassischen Autobauer Kennzahlen zu bewerten, was schlicht keinen Sinn macht und zu falschen Schlussfolgerungen führt.
Ich persönlich beschreibe Tesla auch gerne als Software, Mobilitäts und Energie Unternehmen, weil es den Kern von Teslas Produkten und Dienstleistungen am Besten beschreibt.
Wie steht ihr zu dem Thema? Lasse es mich in den Kommentaren wissen. Und wenn es irgendwelche Themen rund um Tesla gibt, die dich besonders interessieren und die ich in meinen nächsten Videos behandeln soll, dann schreibt es gerne auch in die Kommentare. Ich werde diese alle lesen! Und wenn du jetzt immer noch dabei bist dann vielen vielen Dank fürs Zuschauen! Wenn dir das Video gefallen hat würde ich mich sehr über einen Daumen hoch freuen. Abonniere außerdem den Kanal, damit du keine neuen Videos mehr verpasst. Join the Trillion Dollar Club, mein Name ist Dominic und bis zum nächsten Mal. Tschau
Quellen: